Die Poesie steht schon in Stiefeln und Mantel an der Tür. Ich bin bereit, ruft sie, der Regensonntag kann mir den Buckel runterrutschen.

Wohin willst du? Frage ich. Und sage: Die Bücherei hat doch zu.

Da weiten sich die Augen der Poesie. Sie schlägt sich gegen den Kopf: Natürlich, das habe ich total vergessen. Ein gutes Zeichen – ich scheine noch nicht daran gewöhnt zu sein, dass alles runtergefahren ist, sagt sie. Schlecht aber trotzdem, denn ein Regensonntag ohne Büchereibesuch ist wie ein trockenes Brot ohne Butter.

Die Poesie denkt nach, dann schlägt sie sich noch einmal gegen den Kopf und ein Wort springt ihr aus dem Mund, das ihr wohl schon auf der Zunge lag: TROSTBROT.

Und das essen wir dann. Und greifen zum Telefon und bestellen „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ zum Abholen. So sehen wir die Bücherei zumindest von außen. Und das Brot schmeckt nicht mehr ganz so trocken.

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