Der heilige Leopold ist zu Besuch. Stolz legt er seine zwei Eheringe auf den Tisch und beginnt, die Namen seiner zahlreichen Kinder aufzuzählen.

Soll uns das nun beeindrucken, fragt skeptisch die Poesie.

Aber Heilige haben oft die Angewohnheit, nicht mehr zuzuhören, wenn Weltliche etwas fragen. So überhört der heilige Leopold die Frage der Poesie und zählt eifrig weiter auf.

Soll er uns doch das Fassl runterrutschen, sagt die Poesie, trinkt ihren Kaffee aus und sagt zu mir: Komm, die Ämter sind heute zu, das immerhin haben wir ihm zu verdanken. Also nutzen wir die Chance und verbringen den Tag unbürokratisch, lesend, ohne Sinn und Zweck.

Der heilige Leopold bemerkt nicht, dass wir aufstehen und gehen. Aber das macht nichts. Heute ist sein Tag. Soll er unseren Küchentisch heute für sich haben. Wir haben ja für alle Fälle noch einen Ersatztisch in der Bücherei. Der ist immer und ohne vorherigen Antrag für alles frei.

(Die Bücherei Kirchstetten ist heute leider geschlossen. Es hilft aber auch manchmal, sich einen freien Tisch in einer Bücherei vorzustellen, an dem man dann sitzt und unbürokratisch atmet und ungestört liest.)

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