Die Politiker besuchen die Poesie. Sie haben kleine Kätzchen mitgebracht, die halten sie in den Armen und streicheln sie versonnen, während sie mit ihren Füßen unter dem Tisch die Mäuse zertreten.

Die Kätzchen sollen geschont werden, sie sollen sich nicht anstrengen, sie sollen es komfortabel haben, sagen die Politiker, denn: Wir brauchen sie noch.

Die Politiker tragen keine Schuhe an den Füßen.

Die waren zu teuer, sagen die Politiker, die könnten geklaut werden oder angeknabbert vom unverschämten Mäusevolk.

Die teuren Schuhe der Politiker liegen im Safe. Die Politiker streicheln versonnen die Kätzchen und sind kaum ansprechbar dabei.

Die Poesie bittet die Politiker hinaus. Die Politiker sind höflich, sie lassen sich nicht lange bitten, sie sagen: Wir müssen ja weiter tun. Wir müssen zurück ins Volkstheater.

Die Kätzchen lassen sie der Poesie da.

Du wirst dich sicher gut um die Kätzchen kümmern, sagen die Politiker zur Poesie.

Die Poesie lässt die Kätzchen frei. Sie verschwinden in Hecken und hinter Häuserecken. Den Mäusen unter unserem Tisch leisten wir erste Hilfe, so gut es noch geht.

für W. L.

("Die Politiker", von Wolfram Lotz, ab sofort im Volkstheater Wien - mit Bahn und U-Bahn genau 59 Minuten von Kirchstetten entfernt: https://www.volkstheater.at/produktion/931797/die-politiker)

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