Ich lege mich mal kurz in die 50er-Jahre, sagt die Poesie.

Für einen Moment befürchte ich, sie sei in den Wolfgangsee geplumpst. Dann bemerke ich, dass sie nur, wie so oft, ihre Form verwandelt hat: Die Poesie ist ein alter Liegestuhl, der noch aufgeklappt werden kann. Ich lasse sie in Ruhe in den 50er-Jahren verweilen. Sie bleibt aber nicht lang.

Ist das prüde, ist das piefig, sagt sie, als sie den Steg am Wolfgangsee wieder verlässt und das Seminargebäude ansteuert.

Und dann das Gesäusel von Wirtschaftswunder und modernen Kücheneinrichtungen, pah! Ruft sie. Und: Die Wirtschaft kann mir gestohlen bleiben. Und meine Küche bleibt heute kalt.

Dann sitzen wir wieder in der Gegenwart. Im Lehrgang für Bibliothekarinnen. Und lernen, wie man bestens ohne die Wirtschaft klarkommt. Wie man Wunder verborgt. Und alte Liegestühle. Vergangene Jahrzehnte, die überdacht werden können. Auch, wie man diese katalogisiert nach RDA*. Und wie eine moderne Bibliothek eingerichtet sein muss, damit darin gut gearbeitet werden kann. Und vor allem gut gedacht und gut geatmet.

Der Schwerpunkt sollte auf dem Denken und dem Atmen liegen, sagt die Poesie, reißt sich den Vintage-Petticoat vom Leib und zündet ihn feierlich an.

*Resource Description and Access

(Denken und Atmen kann man heute ganz hervorragend in der Bücherei Kirchstetten, geöffnet von 16 bis 19 Uhr. Es können dort auch Wunder, alte Liegestühle und vergangene Jahrzehnte ausgeborgt werden. Und das Beste ist: Alles kann überdacht werden, jederzeit!)

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