Puh, ist das heiß draußen, und alles so unüberschaubar, sagt die Poesie. Heute bin ich lieber Biedermeier und bleibe ein wenig drinnen, um mich auszuruhen. Mindestens bis zum Vormärz, oder länger.

Die Poesie bestellt einen Strauß Sommerblumen per Express und stellt sie in einer hübschen Vase auf den Tisch. Wir sitzen davor und bestaunen die Blumen. Stundenlang schwärmt die Poesie von den Blumen: Wie herrlich bunt sie sind, und wie sie duften, säuselt sie und nippt vornehm an ihrem Kaffee.

Wollen wir Platzdeckchen häkeln, fragt sie schließlich und schiebt die Krümel von gestern angewidert zur Seite. Sie sagt: Der Tisch sieht so roh aus ohne Bordüren.

Ich reiche ihr Häkelzeug und gieße Kaffee nach, da haut die Poesie plötzlich auf den Tisch, dass die Tassen tanzen und alles überschwappt.

Ok, Schluss jetzt, sagt die Poesie und: Ich kann nicht mehr! Her mit dem Umsturz!

Ich schiebe ihr den Sommerblumenstrauß hin, sie isst ihn genüsslich auf. Dass die Vase gegen die Wand fliegt und in ungezählten Scherben laut scheppernd am Boden landet, muss ich wohl nicht erwähnen. Und ich muss zugeben: Ich bin erleichtert.

Und morgen sind wir Expressionismus, sagt die Poesie.

Ein Blumenstiel ragt ihr noch aus dem Mund. Das kann was werden.

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