Die Titanic hat ihren Untergang wieder vor sich. Eifrig kreist sie in der Tasse der Poesie auf dem schwarzen Kaffee. Sie weiß, wie es um sie bestellt ist, auch wenn der Eisberg zum Eiswürfel geschrumpft ist. Der Eisberg ist unumgänglich. Der Untergang gewiss. Die Menschen sind längst von Bord, sie haben aus der Geschichte gelernt. Das Schiff aber bleibt ein Schiff, verkümmert zu einer viel zu oft erzählten Legende, mickrig, sinkbar. Die Poesie hält dem letzten Leben, das sich auf dem Schiff vielleicht noch befindet, den kleinen Finger hin, damit es sich retten kann. Aber da ist kein Leben mehr. Da sind nur alte Ängste und Muster, unbeweglich, starr. Wir lassen sie ertrinken. Als die Poesie ausgetrunken hat, bleibt nur das Schiffswrack am Boden der Tasse zurück. Wir lassen es liegen. Ich gieße neuen Kaffee ein.

Ein Gedanke zu “Hundertvierundsiebzigste Tasse

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