Guten Tag, meine Damen und Herren, sagt die Poesie. Sie sagt: Heute mache ich es offiziell! Ich bin kein Subjekt und kein Objekt, ich bin ein Prädikat. Bitte nachschlagen, was das ist, falls jemand es vergessen hat. Ich bin in Bewegung. Unauffällig, aber essentiell. Ich bin die Kniekehle im Satz, manchmal auch der kleine Zeh. Ich trage keinen Hut und keine Haube, meist auch keine Unterwäsche. Ich lege keinen Wert auf Anstand und Sitte, ich folge anderen Regeln. Meine Regeln wachsen zwischen dem gepflegten Rasen hervor und überwuchern ihn schließlich, aber nie mit böser Absicht. Ich habe keine Absichten, außer die Ohrläppchen der Welt ins Schwingen zu bringen. Jede kleinste Regung zählt. Manchmal kneife ich auch, ganz leicht. Und oft genug mich selbst, um zu prüfen, ob ich noch da bin. Ich sage heute: Ich bin sowas von da! Ich bin das blühende Leben. Ich muss nicht klotzen, ich kleckere. Großflächig, nachhaltig, sichtbar. Schwupps.

Die Poesie beendet ihre Ansprache und kleckert großflächig. Ich denke zuerst, es seien nur Kaffeeflecken. Aber sie lassen sich nicht wegwischen. Sie sind erstaunlich resistent.

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