Die Poesie hat im Hotel übernachtet. Der Edelmut hat sie eingeladen, den hat sie in den letzten Tagen vor lauter Mut ganz übersehen. Die übersehenen Anhänger sind meist die bemühtesten. Der Edelmut hat ein schönes Hotel ausgesucht, obwohl der Poesie wurscht ist, wie schön ein Hotel ist. Wichtig ist ihr, dass es ein Telefon gibt, die Bettwäsche knistert, ein Gratisstift im Zimmer liegt und man ab 6 Uhr morgens Kaffee bekommt, den man bestenfalls vom Frühstücksraum mit auf das Zimmer nehmen kann. Der Edelmut hat auch Blumen auf das Zimmer stellen lassen, die hat die Poesie den Damen geschenkt, welche das Frühstück machen. Jetzt sitzt sie auf dem Hotelbett, telefoniert mit mir und anschließend noch mit allen anderen, mit denen sie sonst nie telefoniert, weil die meist in der Nähe sind und es also keinen Grund gibt, sich per Telefon zu unterhalten. Die Poesie lässt die Bettwäsche ins Telefon knistern, schlürft Kaffee und kaut auf dem Gratisstift. Der Edelmut wird ungeduldig. Er schwitzt, rauft sich die Haare, schnaubt, poltert im Zimmer herum und scharrt mit den Füßen. Schließlich reißt er der Poesie den Stift aus der Hand und wirft ihn aus dem Fenster. Die Poesie legt den Telefonhörer auf, streicht die Bettdecke glatt und verlässt das Zimmer. Sie trinkt noch einen Kaffee im Frühstücksraum, dann geht sie zur Rezeption und zahlt. Der Edelmut hat in der Zwischenzeit Mobiliar zertrümmert und wird vom Hotelpersonal nach draußen begleitet. Das nächste Mal wird die Poesie sich ihr Zimmer gleich selbst buchen. Ein weniger edles, und ganz für sich allein.

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