Die kleine Raupe Nimmersatt ist zu Besuch. Sie ist traurig, denn ihr Schöpfer ist gestorben. Die Poesie streichelt die niedergeschlagene Raupe und ich stelle ihr eine Menge Nahrungsmittel hin, durch die sie sich fressen kann: Einen Apfel, zwei Birnen, drei Pflaumen, vier Erdbeeren, fünf Apfelsinen, ein Stück Schokoladenkuchen, eine Eiswaffel, eine saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, ein Würstchen, ein Törtchen und ein Stück Melone. Dazu auch noch ein grünes Blatt.

Aber die Raupe Nimmersatt rührt nichts davon an.

Du brauchst was anderes, sagt die Poesie und beißt in den Tisch. Sie frisst sich hindurch. Geht zur Wand. Beißt hinein. Frisst sich hindurch. Die Raupe schaut der Poesie erstaunt zu. Und beginnt, es ihr nachzutun. Sie fressen sich durch Wände und Möbel, schließlich durch alle Bücher in unserem Regal. Ich höre es lange nur Schmatzen und Rascheln. Dann ist es still. Die Poesie und die Raupe schlafen gemeinsam in einem Kokon. Es ist ein Kokon aus Pappmaschee, die Poesie hat ihn gebaut, sie hat in Windeseile eine Menge alter Zeitungen und Buchseiten verkleistert. Als sie nach langer Rast herausschlüpfen, sind sie keine Schmetterlinge geworden, sondern Albatrosse. Extreme Langstreckenflieger, den stärksten Winden standhaltend.

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