Auf der Spitze des Maibaumes sitzt – winzig und kaum zu erkennen von hier unten – die Poesie. Sie kann gut klettern, sie hat keine Höhenangst. Auf einem Ästchen ruht sie sich nun aus und trinkt einen Schluck Kaffee, den sie sich heute in einen Flachmann gefüllt hat, der in die Jackentasche passt. Sie kann weit blicken von dort oben, der Himmel ist klar, es riecht zum ersten Mal in diesem Jahr nach Flieder. Die Poesie scheint aber nicht sehen zu können, was sie sucht. Wo sind die Arbeiteraufstände, sagt sie, wo sind die erhobenen Fäuste, und warum höre ich hier nur die Spatzen pfeifen, keinen Menschen aber Manifeste vorlesen?

Die Poesie klettert vom Maibaum herunter. Soll er bleiben, wo er ist. Wir gehen in die Bücherei. Dort beginnt immer etwas. Mehr als nur der Mai.

(Anmerkung: An Staatsfeiertagen und während Lockdowns ist die Bücherei nur mit eigenem Schlüssel zugänglich. Es empfiehlt sich also, in einer Bücherei mitzuarbeiten, um einen solch wertvollen Schlüssel zu erhalten.)

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