Huch, sagt die Poesie beim Aufwachen. Draußen ist alles weiß. Und nicht gerade wenig. Ich weigere mich, im März noch das Wort mit Sch in den Mund zu nehmen, sagt die Poesie und zieht sich die Decke über den Kopf. Weck mich, wenn es taut, nuschelt sie darunter hervor. Sie wäre aber nicht die Poesie, wenn sie nun einfach weiterschlafen könnte. Es dauert nicht lange, da steht sie in der Küche, füllt ihren Kaffee in eine Spritzpistole, geht raus und spritzt das Wort FRÜHLINGSANFANG in die dicke, weiße Schicht. Es sieht mickrig aus und ist nicht lange lesbar. Die Spritzpistole wird auf der Stelle entsorgt. Ich habe ja geahnt, dass normale Waffen nicht helfen, sagt die Poesie. Fort mit ihnen, und zwar generell!

Dann setzt sie sich in den Garten und lässt sich langsam einschneien. Als sie später ruckartig aufsteht, stelle ich mir vor, sie wäre ein riesiges, gelbes Krokus, das sich von nichts, aber auch gar nichts, abhalten lässt, jetzt in die Höhe zu schießen. Wie es sich gehört für ein Schwertliliengewächs.

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