Die Poesie trägt Sonnenbrille. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise hält sie den abgedunkelten Blick auf die Welt nicht lange aus. Ich frage: Was ist los? Zu wenig geschlafen? Wilde Nacht?

Nein, sagt die Poesie, irgendeine Allergie.

Sie nimmt die Sonnenbrille ab, ihre Augen sind geschwollen und rot. Der Pollen kann es nicht sein, denn Poesie und Pollen sind Geschwister und vertragen sich gut. Worauf also reagiert die Poesie heute allergisch?

Wir überlegen lange, ich träufle abwechselnd homöopathische Tropfen in die Augen der Poesie und in unseren Kaffee. Ich liebe die Homöopathie, sagt die Poesie. Ich liebe sie dafür, dass sie alles bewirken kann und nichts.

Wir überlegen weiter, was die allergische Reaktion ausgelöst hat. Es dämmert schon, als mich aus dem Spalt zwischen Küchenkasten und Wand hervor zwei Augen anleuchten: ein bunter Hund. Der Hund trägt einen Maulkorb, schaut böse drein und trägt ein Markerl am Halsband. Ich lese, was darauf steht: Ich gehöre dem Zweifel, bitte bring mich zurück.

Das tun wir umgehend und äußerst gern. Und auf dem Rückweg gehen wir in die Bücherei.

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