Ein Strauß trauriger Tulpen steht vor uns auf dem Tisch. Die Poesie hat ihn geschenkt bekommen, sie verrät nicht, von wem. Sie pflegt ihre Geheimnisse besser als die Schnittblumen, die sie mitunter geschenkt bekommt. Die Tulpen jedenfalls lassen die Köpfe hängen, die Poesie hat sie nicht in Wasser, sondern in Motoröl gestellt, nur so zum Test. Sie testet gern allerhand Neues, auch wenn es oft zu nichts führt, außer zu hängenden Blumenköpfen. Ich hasse Schnittblumen, sagt die Poesie. Lieber wäre es mir, jemand würde mir einen Strauß fallender Aktien schenken. Oder einen Strauß verbogener Stricknadeln. Oder einen Strauß einzelner Skier. Oder einen Strauß zerbrochener Zollstöcke. Damit könnte ich wenigstens angemessen in meinem Kaffee rühren.

Ein winziger Käfer purzelt aus einem der Tulpenköpfe. Die Poesie lässt ihn auf ihre Hand krabbeln und trägt ihn zum Fenster. Sie öffnet es und hält den Käfer ins Freie. Er fliegt fort. Schöne Grüße an das Geheimnis, ruft die Poesie.

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