Der Montag hat an der Tür geklingelt, wir haben ihn hereingelassen. Wir lassen gewohnheitsgemäß jeden herein. Manche aber, zugegeben, lieber als andere. Der Montag ist mir lieber als der Sonntag, sagt die Poesie, denn der Sonntag tut so ekelhaft entspannt, obwohl jeder weiß, dass er lügt, und dass die wahre Entspannung, sofern es sie gibt, sicher nie an einem Sonntag eintritt. Der Montag ist ehrlicher, der macht einem nichts vor.

Daher sitzt der Montag jetzt an unserem Küchentisch und schlürft seinen schwarzen Kaffee, den er ausdrücklich stark und ohne Milch und Zucker haben wollte. Ich habe nichts zu erzählen, sagt der Montag, bzw. wenn ich alles erzählen würde, was es zu erzählen gäbe, angefangen bei der gerade aufgehenden Wintersonne und wie die leicht beschneiten Felder und Bäume sich unter dem Einfall ihres Lichtes minütlich verändern, und dann weiter mit den Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, dem allgemeinen Tratsch und vielleicht sogar noch Sport – dann würde ich morgen noch hier sitzen, und dann würde ich zu denen gehören, die nicht wissen, wann es genug ist, die den Platz nicht frei machen für Neues. So einer will ich nicht sein. Also schweige ich und bin, was ich bin.

Ich bin absolut überfordert und gleichzeitig absolut trist, sagt der Montag, und seufzt.

Die Poesie rückt näher an ihn heran, tätschelt seine Hand und sagt: Das ist gut so. Und ich bin ja auch noch da. Also hoch die Tassen! Und auf zum Tanze mit der Überforderung und der Tristesse!

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